Diakonie-Hospiz Lichtenberg gGmbH

in Trägerschaft der von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel und des Evangelischen Diakoniewerkes Königin Elisabeth

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Diakonie Hospiz-Lichtenberg
Herzbergstraße 79 (Haus 21)
10365 Berlin

Unsere Arbeit im Hospiz

Arbeiten im Hospiz

Hospiz. Ein Ort an dem schwerkranke Menschen ihre letzte Ruhe finden sollen.
Ich begleite Menschen bis in den Tod. Sterbebegleitung genannt. Sterbebegleitung, ein erst mal sehr hartes Wort. Nicht so sehr für mich, eher für Menschen, die damit nicht so viel zu tun haben. Es ist nicht immer so einfach, andere mit meinen Augen sehen zu lassen, wie diese Arbeit wirklich aussieht und was sie auch in manchen Situationen zu einer schönen Arbeit machen kann.

„Ein Haus voller Dunkelheit, Angst und dem Tod“

Das sind die Vorstellungen der Menschen, die ich höre, wenn ich erzähle wo ich arbeite. Doch wie sieht dieser Ort wirklich aus? Ich arbeite in einem schönen Haus, das mit dunklen Farben oder der Sterilität eines Krankenhauses überhaupt nichts zu tun hat. Es hat eine große Terrasse und drum herum ein kleines Waldstückchen. Die Zimmer der Gäste sind groß mit hellen, großen Fenstern und eigenem Bad. Die Gäste haben die Möglichkeit ihre eigenen Möbelstücke mitzubringen, auch die geliebten Haustiere können einen Platz in unserem Haus finden. Ich laufe nicht in sterilen weißen Sachen herum, sondern trage ganz normale Kleidung. Helligkeit durchströmt das ganze Haus, und vormittags, wenn man mit einem Gast auf der Terrasse sitzt, hört man die Kinder im Kindergarten nebenan lachen und spielen…

„Du siehst auf Arbeit ständig Menschen sterben, das könnte ich nicht, wie hält man das nur aus?“

Zugegeben ist diese Frage schwierig zu beantworten. Die Menschen, die zu uns kommen, haben in der Regel noch einige Monate zu leben. In dieser Zeit lernt man diese Menschen oft gut kennen. Wer sie sind, wie sie zu Hause lebten, wen sie lieben, wie ihr Weg zu uns war, was ihre Ängste sind…
Wie ihr Weg zu uns war, spielt eine große Rolle. Viele sind erschöpft vom meist jahrelangen Kampf mit ihrer Erkrankung, den ganzen Strapazen, den Hochs und Tiefs, den Ängsten und allem was dazu gehört. Bei uns angekommen finden viele erstmalig eine ganz andere Art von Ruhe und Erholung und leben noch einmal auf. Es geht nicht nur darum, bei uns zu sterben, sondern noch einmal, soweit es möglich ist, zu leben.
Schwerkranke Menschen, denen nach langer Zeit der Appetitlosigkeit endlich wieder einmal ein Essen schmeckt, schwerkranke Menschen, die lange Zeit im Bett gelegen haben und endlich an die Luft gefahren werden und einen Sonnenstrahl erhaschen können, schwerkranke Menschen, die mit ihren Ängsten alleine lebten und sich jetzt jemand zu ihnen ans Bett setzt und ihnen die Hand hält… Es gibt so viele Kleinigkeiten, mit denen man diese Menschen einmal noch glücklich machen kann. Kleinigkeiten, die für uns gesunde Menschen meist selbstverständlich sind. Es ist schwer in Worte zu fassen, wie es ist, wenn ein sterbenskranker Mensch deine Hand nimmt und du in seinen Augen Dankbarkeit siehst, das nur, weil du ihm in seinen Ängsten seine Hand gehalten und ihm zugehört hast. Es ist schwer in Worte zu fassen, wie es ist, wenn man auch nur durch kleine Dinge ein kleines bisschen dazu beigetragen hat, dass ein Mensch friedlicher einschlafen konnte. Das ist meine Arbeit.

Es ist nicht so, dass mich alles vollkommen unberührt lässt. Man lebt mit der Gewissheit, dass der Tod zum Leben dazugehört. Ich kann Schicksale nicht verändern, den Tod nicht verhindern. Aber ich kann da sein. Ich kann Schmerzen lindern. Ich lasse die Menschen mit ihren Ängsten nicht alleine. Dabei kann ich helfen.
Und manchmal, wenn ich nach Feierabend zu den Menschen fahre, die ich liebe, denke ich daran, wie ich zuvor jemandem die Hand gehalten habe. Ich sage meiner Familie, dass ich sie liebe. Ich sage es ihnen, ohne ihnen zu erzählen, dass ich gerade zuvor jemandem die Hand gehalten habe, jemandem, der wie sie war, jemandem, dessen Herz vorhin aufgehört hat zu schlagen. Jemandem, der mir gezeigt hat, dass Liebe etwas Wichtiges im Leben ist. Und bei dessen Weg ich ihm ein kleines bisschen helfen konnte.

(Jennifer, Krankenschwester)

Das Hospiz – Ein Siechenheim?
Ängste und Vorurteile gegenüber Hospizen

Zugegeben, der Begriff Siechenheim ist schockierend, aber auch solche Dinge bekomme ich als Mitarbeiterin eines Hospizes zu hören, wenn ich auf meine Arbeit angesprochen werde.
„Wie kannst du das nur aushalten?“ oder „Den Menschen dort ist doch sowieso nicht mehr zu helfen.“ sind Bemerkungen, denen ich mich oft stellen muss.
Um dem zu begegnen, musste ich zuerst verstehen, was die Menschen so bewegt, wenn sie das Wort Hospiz hören.
Einerseits ist es sicherlich das Thema Tod & Sterben, das Menschen Angst macht. Es ist schwer nachzuvollziehen, dass sich jemand freiwillig den ganzen Tag damit befasst.
Andererseits glauben viele, dass es nicht befriedigend sein kann, eine Arbeit zu tun, bei der man nie einen „Erfolg“ sieht, weil die Menschen am Ende sterben.
Um der Angst zu begegnen, man müsste sich als Hospizmitarbeiter den ganzen Tag mit dem Tod beschäftigen, kann ich nur antworten, dass auch diese Arbeit eine Arbeit wie jede andere ist, das heißt, ich bin während meiner Schicht mit Leib und Seele an meinem Arbeitsplatz, und wenn die Schicht beendet ist, gehe ich nach Hause und genieße meinen Feierabend. Würde ich die Dinge, die während meiner Schicht passieren, immer mit in den Feierabend nehmen, könnte ich diesen Job wohl nicht lange durchhalten.
Ich denke aber, dass es in dieser Hinsicht keinen Unterschied zwischen meinem Beruf und anderen gibt, denn es tut niemandem gut, sich bis in die Freizeit hinein zu sehr mit seiner Arbeit zu beschäftigen.
Den zweiten Aspekt, den des mangelnden „Erfolges“, zu entkräften, fällt mir oft deutlich schwerer, denn es ist eine Tatsache, dass unser Haus kein Gast körperlich geheilt verlässt. Leider denken viele Menschen, dass die Heilung die einzige Art von Hilfe sei, die wir einem Kranken angedeihen lassen können.
Bei uns im Diakonie-Hospiz Lichtenberg habe ich schon oft erfahren, dass es Heilungen ganz anderer Art gibt. Die Menschen die zu uns kommen sind nicht nur körperlich schwer krank, sie sind oftmals vor allem erschöpft, schockiert oder ängstlich.
Erschöpft von monatelangen Krankenhausbehandlungen und unendlichen Zyklen von Chemotherapie und Bestrahlung, schockiert, weil all diese Therapien nutzlos waren oder ängstlich, weil sie das Gefühl haben, allein zu sein.
Wie oft habe ich schon in leuchtende Augen blicken dürfen, wenn diese Menschen zum ersten Mal unser Hospiz von innen sehen. Der große, freundlich eingerichtete Eingangsbereich, die Terrasse mit Blick in den Wald und eines von 10 geräumigen Einzelzimmern mit eigenem Bad, das jedem unserer Gäste zusteht.
Wenn ein neuer Gast das alles sieht, scheint er oft erleichtert zu sein zu wissen, dass er sich jetzt von den Strapazen die er erlebt hat, bei uns erholen darf.
Zusätzlich erleben die Gäste bei uns, dass sie nicht morgens um sechs zum Waschen aus dem Bett müssen, dass das Essen bei uns nach den Wünschen des Gastes zubereitet wird und dass Pflegepersonal, Leitung und Ehrenamtliche Zeit für Gespräche haben.
Oft machen sich Gäste Sorgen um ihre Angehörigen und dürfen erfahren, dass wir uns auch darum kümmern.
Kurz, wir vom Team des Diakonie-Hospizes Lichtenberg versuchen alles, um unseren Gästen bis zur letzten Minute das größtmögliche Maß an Selbstbestimmung und Lebensqualität zu geben.
Unser Erfolg ist es, am Ende eines Tages zu wissen, dass unsere Gäste einen weiteren guten Tag hatten, dass wir mit jemandem ein gutes Gespräch hatten oder einem anderen einen Nachmittag in der Sonne ermöglichen konnten.
Erfolg in unserer Arbeit heißt, in dankbare und fröhliche Gesichter blicken zu dürfen. Gesichter von Menschen, die wissen, dass sie sterben müssen, die aber auch wissen, dass sie nicht allein sind.
Das alles klingt jetzt vielleicht ein wenig nach einem Märchen. Es gibt natürlich auch schwierige Tage und Gäste bei uns. Aber wo gibt es die nicht?

(Anne, Krankenschwester)